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Klassische Homöopathin, Mutter eines Kleinkindes, Ehefrau, Hausfrau, Initiantin und Betreiberin von www.bestefreundin.ch

Dreamteam

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.“ Marlene Dietrich.

“Alles hängt davon ob, ob ihr ein gutes Team seid.” (aus: Die Prophezeiungen der E.)

Meist beginnt es damit, dass man sich verliebt. Wolke sieben, rosarote Brille, Flugzeuge im Bauch, Sie wissen schon. Man möchte dauernd in der Nähe des andern sein, nonstop Sex haben und die restliche Welt rausfiltern, weil uninteressant. Gut. Wir alle wissen, dass dieser erste Teil irgendwann abflaut, manchmal schneller, manchmal langsamer. Dass auf fette magere Jahre folgen. Das alles hat seine biologische Rechtmässigkeit. Wie sonst würde unsere Wirtschaft weiter funktionieren, hätten wir alle hauptzeitlich mehr Blutzirkulation unterhalb des Halses als darüber?

Ich vermute, die Natur hat es daher extra so eingerichtet: Man verliebt sich, man vergisst die Weltwirtschaft und alles, man vögelt, und voilà schneit’s einem sozusagen als Quittung ein Kind rein (Ich weiss, es gibt Pille und Kondom, aber ich rede jetzt von der ungeschönten Biologie, im Fall.), und die Weltwirtschaft gewinnt subito wieder an Wichtigkeit.

Schlagartig verwandelt sich das verliebte Päärchen in ein Projektleitungs-Team. Aus Händchenhalten wird Hand-in-Hand-Arbeit. Jetzt zählen nicht mehr: schöne blaue Augen, sehnsüchtige Blicke, neckischer Po, romantisches Kerzenlicht, charmante Gespräche. Es zählen: Soziale Kompetenz, Zuverlässigkeit, Fleiss, Stressresistenz, gegenseitige Unterstützung, Durchhaltevermögen, Krisenmanagement, Effizienz. Nicht mehr das sexuelle Steh- sondern das nächtliche Aufsteh-Vermögen ist gefragt.

Es sind zwei Paar Schuhe: Verliebt sein, sich angezogen fühlen vom Anderssein des Gegenübers. Oder: ähnlich ticken, sich ergänzen, am gleichen Strick ziehen. Merke: Die Macken des anderen sind nicht mehr süss, wenn es um die Wurst geht.

All das verändert die Perspektive des Partnersuchenden markant. Lasse ich mich blind von einem instinktiven, hormongesteuerten Beuteschema leiten, oder suche ich bewusst nach einem Projekt-Gspänli? Sind Projekt-Gspänli sexy? Oder ist gar auch dieser Aspekt der Sexyness unwichtig, auf Jahre hinaus gesehen? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich in den perfekten Teampartner verliebt? 1:100’000?

Weil, jetzt mal rein mathematisch gesehen: von der Zeit, die man ab Elternschaft gemeinsam verbringt, gehen schätzungsweise 90% auf das Konto „Arbeit, Alltag, Erziehung“, und bloss ein verschwindender Rest auf „Liebelei“. Auf den Punkt gebracht heisst das: Wie lange kann guter Sex ein Paar durch einen disharmonischen Alltag rudern? Wie lange habe ich Lust auf Sex mit einem Partner, mit dem im Familienalltag rein gar nichts flutscht? Oder umgekehrt: Kann ein harmonischer Alltag langfristig den spannungsgeladenen Sex ersetzen?

Gegensätze ziehen sich an, aber langfristig haltbar ist wohl eher „Gleich und Gleich gesellt sich gern“. Also: Hormone aus- und Hirn einschalten bei der Partnerwahl? Das klingt jetzt etwas trocken (sic!), und ist möglicherweise nur für einen geringen Prozentsatz der Menschheit umsetzbar. Für alle anderen habe ich ein Zitat von Cher: „Eine Frau kann auf den richtigen Mann warten, aber das heißt nicht, daß sie sich in der Zwischenzeit nicht mit all den falschen vergnügen könnte“. Nur: Passen Sie bloss auf, dass kein Projekt daraus entsteht!