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Schwanger forever

Ich bin jetzt seit 35 Wochen hochschwanger, das sind 245 Tage, 5880 Stunden, 352’800 Minuten oder 21’168’000 Sekunden. 21 Millionen Sekunden schwanger. Stellen Sie sich das mal vor! Okay, es gab Übelkeit, es gab Kreislaufzusammenbrüche, Sodbrennen, Kreuzschmerzen, es gab chronische Müdigkeit, Schlafstörungen, Sexfrust, Heisshunger-Attacken, es gab viel Streit und viele Tränen, und es gab hundertsiebenundneunzig hitzige Diskussionen über Budget-, Arbeits-, Wohnungs- und Zukunftssorgen. 

Aber alles in allem war es eine freudvolle, liebesdurchflutete Zeit. Schwanger sein macht glücklich, stärkt das Selbstvertrauen, das Körperbewusstsein, das Rückgrat, das Frausein und fördert die Herzdurchblutung auf Kosten derer Ihres Grosshirns, was aber nicht weiter schlimm ist, im Gegenteil.

Sie werden von den Frauen (Mitmüttern) verschwörerisch angelächelt, von den Männern bewundernd-befremdet beglotzt, und von den Kindern (ihre Augen auf Höhe Ihres Bauchnabels) mit offenem Mund angestaunt, was Sie als Kompliment auffassen dürfen. 

Sie ernten wohlwollendes Verständnis, wenn Sie dümmlich lächelnd dem Zugschaffner erklären, dass Sie schon wieder die Stempelkarte zu stempeln vergessen haben. Die Hormone!

Sie werden an jeglichen Schlangen vorbeigelotst, kriegen jeden Sitz im Bus angeboten, mit Ihrer Riesentrommel.

Ihnen wird milde jeder Fehler im Geschäft verziehen. Bisschen lächeln, bisschen heulen, und schon ist alles wieder gut. 

Verständnisvoll werden Ihnen Taschentücher angeboten, wenn mal wieder die Tränen rollen – und sei es im Coop wegen dem netten Bildli auf den Yoghurt-Deckeli.

Überhaupt dürfen Sie endlich mal nach Herzenslust weinen, jederzeit und überall, und so lange Sie wollen. Das sind die Hormone. Profitieren Sie! 

Sie dürfen aufstossen, Wind lassen, Selbstgespräche führen, in Gesundheitssandalen und Stützstrümpfen breitbeinig rumwatscheln. Sie dürfen sich verschlafen, die Füsse auf den Tisch legen, zuviel oder zuwenig oder seltsames Zeug essen. Sie dürfen vom Tisch jederzeit aufstehen, egal wo und mit wem Sie essen.

Sie dürfen jederzeit aufs Klo, im Kino, wie eine wogende Boje an den Knien der anderen Besucher entlang, mitten in der spannendsten Szene. Sie dürfen in jedem Restaurant, an dem Sie vorbei kommen, aufs Klo, in der Arbeit, alle 5 Minuten, egal. Das Kind drückt auf die Blase, Sie können ja nun wirklich nichts dafür.

Sollten Sie als Schwangere noch fliegen dürfen mit Ihrer Riesentrommel, hier mein Geheimtipp: Fliegen Sie! Sie müssen KEINE Minute irgendwo anstehen, Sie kriegen ein PRE-BOARDING-TICKET und werden aufgerufen, und dann watscheln Sie selig lächelnd an all den glotzenden (neidisch, natürlich) Massen vorbei, und kriegen den besten PRE-SEAT im ganzen Flugzeug. Ha! 

Einen einzigen Menschen allerdings gibt es, den meine Schwangerschaft nicht standesgemäss beeindruckt hat: einen Polizisten* natürlich, einen richtig schweizerisch-bünzligen-paragraphentreuen, wahrscheinlich allein lebend und mit Sicherheit ohne Verständnis für Frauen mit Hormonen, ergo geschieden. 

Also das kam so: wollt’ ich doch in der Stadt kurz ein paar Besorgungen machen, und obwohl ich als royale Hochschwangere nicht mal mehr wie eine Ente watschelte, sondern vielmehr wie auf rohen Eiern daherkam, war kein Parkplatz frei. Frechheit! Selbstverständlich nahm ich den Behinderten-Parkplatz, passt eh besser, die sind nämlich breiter, was praktisch ist, wenn man da so aussteigt mit einer Riesentrommel. Zu meinen paar kleinen Besorgungen kam dann halt noch ein kurzer Kaffeeklatsch mit Kaffee und Kuchen und Mineralwasser, und einmal aufs Klo gehen, und alles dauert nun mal länger, mit Trommel: mehr Appetit, mehr Durst, mehr Klo, mehr Mitteilsamkeit, mehr Anteilnahme, noch mehr Kuchen. Was dem Polizisten aber egal war, und trotz Vorzeigen der Riesentrommel, trotz perfekt zurechtgelegter Ausrede (Apothekenbesuch, Venenmittel kaufen, Kreislaufschwäche, etc.), trotz Drückens auf die Tränendrüse: der Bünzli befand 2 Stunden und 55 Minuten für zu lang für einen Apothekenbesuch. Er blieb hart und schrieb seinen Busszettel. Ignorant! Also wirklich!

*Name und Adresse der Autorin bekannt. Auf Anfrage erhältlich.