Kategorie-Archiv: Love and marriage

Vegetative Seitesprünge

Sind Sie mono- oder bigam? Pflegen Sie Monokultur oder Artenvielfalt? Ewige Treue oder ständiger Wechsel? Sicherer Hafen oder wildes Meer? Einhalt oder Vielfalt? Heimisches Sofa oder fremde Treppenhäuser? Zuverlässigkeit oder Chaos-Theorie? Pflege des eigenen Gärtchens oder Schielen nach Nachbars Kirschen?

Wird wohl eine Typenfrage sein. Kann ein notorischer Fremdgänger gezügelt werden? Oder ein Monokultureller plötzlich ausbüxen? Und falls ja, warum? Was treibt ihn dazu? Wie kommt es, dass es so viele mit der ewigen Treue versuchen wollen und die Hälfte daran scheitert?

Ist Monogamie menschlich? Oder bloss biblisch?

Was, wenn es im Ehevertrag eine Klausel gäbe: „Beide Partner sind zum Seitensprung berechtigt. Sie dürfen jederzeit entscheiden, ob sie neben dem Ehepartner mit Aussenstehenden geschlechtlichen Verkehr haben wollen. Dies hat keinen Einfluss auf Dauer und Qualität der bestehenden Ehe und bedeutet nicht deren Ende.“ Würden wir dann immer noch heiraten? Ist der Wunsch nach Treue des Partners die unbewusste Basis für eine Heirat?

Ist mono gut und bi schlecht? Was, wenn Sie glücklich verheiratet oder liiert sind, und Sie trotzdem plötzlich der Blitz trifft? Wenn Sie eine Begegnung machen, völlig ungezwungen, nur ein small-talk, und diese Begegnung ihr Herz zum Flattern bringt, ihren Bauch motorisiert und es „flammt aus ihrer Bux“ (bayrisch für: relativ starke Hitze-Entwicklung im Innern der Unterhose)? Was tun sie dann? Ignorieren? Sie können ja nullkommagarnichts dafür, ihr Verstand hat NICHTS mitzureden. Alles vegetativ. Sie brennen, und Sie können nichts dafür. Und Sie sollten nicht brennen. Schöne Scheisse haben Sie sich da eingebrockt. Was tun Sie? 

Variante 1)

Sie atmen tief durch, gehen nach Hause, nehmen täglich eine eiskalte Dusche und ignorieren ihr Vegetativum. Wenn es sein muss, mit Gewalt. Auch ein Vegetativum lässt sich unterkriegen. Fragen Sie Ihren Arzt.                                                                                                                                                    

Fazit: Ungesund. Wissenschaftliche Studien raten davon ab (Quelle: privat)

1b) Sie besuchen einen Kurs in Kundalini-Yoga und lenken die Energie ihrer Lenden hoch in ins Grosshirn.  

Fazit: Bedingt grosse Disziplin. Kann zu überdurchschnittlichem IQ und chronischer Migräne führen. Beides senkt ihren Marktwert, beides gefällt ihrem Partner möglicherweise nicht. Es besteht aber auch die Chance der Erleuchtung (1: 300’000).

1c) Sie gehen in die Psycho- und Ehe-Beratung und finden heraus, wie es so weit kommen konnte.    

Fazit: Anstrengend, womöglich aber sehr nützlich für ihr ganzes weiteres Leben. Hilft auch beim Kanalisieren (siehe 1b).

Variante 2)

Sie holen sich sofort Ihren standesgemässen Ehemann oder Lebenspartner ins Bett und steigen da nicht mehr raus, bis das Feuer rausgeschwitzt ist.                                                                                               Fazit: körperlich sehr anstrengend, hilft nur begrenzt. Wenn Sie Pech haben, macht 2a) ihr Partner nicht mit, oder 2b) er wird schneller müde als sie, oder 2c) das Feuer geht dadurch nicht aus, sondern wird erst recht angefacht, worauf mit Sicherheit 2b) eintreffen wird. Wenn Sie Glück haben, und wenn Ihr Partner eine gute Kondition hat, tritt 2d) ein: Feuer nicht erloschen, Waldbrand aber in heimischen Wald geschickt umgelenkt, wo er legitim weiterflammen darf.

Variante 3)

Sie lassen das Feuer brodeln , arrangieren wie zufällig ein Treffen mit dem Entfacher, und schauen, was passiert. Nehmen wir mal an, es passiert was. 3a) Ihrem Mann sagen Sie nichts.                                    

Fazit: Klassisches „Spiel mit dem Feuer“. Macht vielleicht Spass, beschwört aber möglicherweise eine Katastrophe mit mehren Opfern herauf (ausser, Sie haben obgenannte Ehevertrags-Klausel, womöglich hilft aber auch das nichts).

3b) Sie gestehen es ihrem Mann und kehren nach ihrem Sprung zur Seite reuevoll und geheilt zu ihm zurück.                                                                                                                                                        

Fazit: Vergleiche schärfen den Blick für wahre Grösse.                                                                          

(Kleiner Haken: Es besteht die Möglichkeit, dass Ihnen nicht verziehen wird und 3b1) sie ihr ganzes weiteres Leben bittere Vorwürfe ernten, oder 3b2) ihre Beziehung zerbricht.)

3c) Sie gestehen es ihrem Mann, er freut sich mit ihnen, nimmt auch für sich andere Liebhaberinnen, und sie leben miteinander fröhlich und tolerant eine so genannt offene Beziehung.                                      

Fazit: Hoher Spassfaktor, aber gefährlich. Zuviel Toleranz ist schlecht verträglich für ihr Herz.

Variante 5)

Sie lassen das Feuer lange Zeit auf kleiner Stufe weiterbrodeln, phantasieren sich im Geheimen alles Mögliche zusammen und spielen es mit sich selber durch, verhindern aber vehement ein weiteres Zusammentreffen mit dem Entfacher.                                                                                                         

Fazit: Instabile Prognose. Jedoch bleiben Moral, Ehe und Bibel intakt. Ihr Mann darf Sie behalten, beschwert sich ab und zu über ihre Geistesabwesenheit, erfreut sich aber an ihren rot glühenden Wangen, deren Ursache er sich selber zuschreibt. Vielleicht geht ER irgendwann.

 Variante 6)

Sie stürzen sich ohne zu zögern in eine wilde Affäre, tun hemmungslos alles, wonach es ihr Vegetativum gelüstet, schalten ihr überbleibendes Bisschen Verstand ab, und schauen dann, was passiert. 6a) Es ist der Mann ihres Lebens und ihr gemeinsames Feuer wird nie erlischen.                                                          

Fazit: Glück gehabt. Statistisch gesehen stehen die Chancen für diese Variante bei 1:100’000. Immerhin.

6b) Das Feuer nimmt ab, und der Blitz schlägt woanders erneut ein, worauf Sie die Variante 6) wiederholen. Usw.                                                                                                                                                             

Fazit: Kurzfristig hoher Spassfaktor, langfristig schneller Verschleiss. Wird oft für Charakterschwäche gehalten. Ist es vielleicht auch.

 Tja, liebe Leserin, ich möchte nicht in ihrer Haut stecken, sollten Sie sich je zwischen diesen und noch mehr Möglichkeiten entscheiden müssen. Vernunft oder Buschbrand? Wird wohl eine Typenfrage sein.