Virtueller Verbalverkehr

Eine neue Kunst des Fremdgehens greife um sich. So versicherte mir neulich meine Freundin M. (Sie wissen schon: diejenige mit dem Warmduscher.) Fremdgehen mit Fremden, jedoch sauber, hygienisch, keim- und spermienfrei, ohne Gefühlschaos und Herzbeteiligung, aber garantiert MIT ORGASMUS.

Also das nenne sich Virtueller Verbalverkehr und gehe so: Man setzte sich an den Computer, lege eine Hand (bei den meisten ist es die rechte) auf die Tastatur, was ein bisschen Übung bedürfe, aber das mit demFünffingersystem habe man schnell drauf, und auf die korrekte Rechtschreibung komme es nicht im Geringsten an, im Gegenteil. Die linke Hand lege man an seine primären Geschlechtsteile, je nach Bedürfnis abwechslungsweise auch an die sekundären. Auch das bedürfe ein bisschen Übung, jedoch sei die Wirkung einer linken Hand generell und an den primären Geschlechtsteilen im Besonderen nicht zu unterschätzen.

Seien beide Hände in Position, suche man sich in den Partnersuchforen (so nennt sich das! ehrlich!) einen Chat-Partner, den man nach einer sehr kurzen Einleitung darauf hinweise, dass einem seine linke Hand woanders sei als auf der Tastatur, und dass man nach Möglichkeit schnell zur Sache kommen möchte. Steigt der Chat-Partner darauf ein, können Sie wählen zwischen den Varianten a) gucken, welches Menu er vorschlägt, b) selber Menu kreieren, c) sich gegenseitig inspirieren. Man achte darauf, ob es sogleich „flutsche“ (entschuldigen Sie, meine Freundin M. hat eine etwas direkte sprachliche Ausdrucksweise) zwischen Ihnen und Ihrem Chat-Partner. Wenn es das nach 2 Minuten nicht tue, wechsle man besser den Partner. Das gehe ganz leicht, indem man diesen wegklicke – wenn man nett sein wolle, aber das müsse man gar nicht, könne man noch ein „tschau“ hinschreiben – und mit einem Neuen dieselbe Prozedur durchgehe. Ob es flutsche, das merke man sofort, sagt meine Freundin M. Nämlich mit der linken Hand.

Mit der rechten konzentriere man sich darauf, seine Gedanken, Wünsche und Phantasien klar und pointiert zu positionieren, wobei, wie schon erwähnt, Rechtschreibung und Grammatik KEINE Rolle spielten, was mit zunehmender Durchblutung des Unterleibs und damit proportional einhergehender Minderversorgung des Grosshirns (ein bekanntes Phänomen, das bisher ausschliesslich bei Männern vermutet wurde) sich ja von selbst erkläre.

Wichtiger Hinweis meiner Freundin M.: Man achte darauf, die linke und die rechte Hand während des Verbalverkehrs nicht zu verwechseln, da ansonsten die Hygienebedingungen für die Computertastatur leiden würden. Auch könnte eine klebrige Tastatur ihrem Partner unter Umständen unangenehm auffallen.

Ach ja, es sei von grossem Vorteil, in seinem eigenen Chat-Profil klar und deutlich „Abenteuer-Lust“, „Unabhängigkeit“ und „Offenheit für wilden Sex“ zu markieren. Hauptsache verpflichtungsfrei. Das zöge die Männer an wie ein Hühnerstall den Fuchs. Sie müssten ja nicht erwähnen, dass sie den Verkehr aufs Verbale beschränken wollen. Das sei auch gar nicht gemein oder unehrlich, schliesslich gelte dieOrgasmusgarantie für beide Seiten, ausser, der Chat-Partner befinde sich gerade in einem Grossraumbüro, dann werde es etwas schwieriger.

Was meinen Sie zum neuen Trend?

Mailen sie ihre Erfahrungen an verbalverkehr@kompetentesextante.ch, oder besser: schreiben Sie einen Kommentar.