Das erste Mal

23. Juni 2010

Kinder sind etwas wirklich, wirklich Nettes. Mit Ihrer Neuheit machen sie das Leben ihrer Eltern gleich mit neu. Alles dürfen wir hautnah miterleben:

Das erste Mal in die Hosen bieseln.

Das erste Mal heisse Ovo trinken.

Das erste Mal mit voller Absicht furzen.

Das erste Mal Schnecken füttern.

Das erste Mal auf die Wasserrutschbahn. Gott, so ein Spass!

Das erste Mal Seifenblasen.

Das erste Mal Gondel fahren.

Das erste Mal Pommfritt essen.

Das erste Mal englisch reden (kleiner Prinz, 2Jahre: „ajuledi?“ oder „sit“. Ersteres bedeutet „are you ready?“, zweiteres „shit“: perfektes, akzentfreies Englisch!)

Das erste Mal Müsli an die Wand schmeissen (Ehrlich, ich dachte immer, es sei lustig gewesen für meine Eltern, als ich des öfteren meiner eigenen Schmeissneigung nachgab- also, als ich kürzlich des Prinzen liebevoll zubereitetes Bio-Müsli vom Türrahmen kratzte, also, lustig fand ich das nicht)

Das erste Mal Ameisen totschlagen.

Das erste Mal Türe knallen und dazu „tsüss!“ sagen. (JA, Ich geb’s zu: hat er von mir)

Das erste Mal Papa so feste am Schnäbi ziehen, dass er laut schreit. (hat er NICHT von mir, ehrlich!)

Das erste Mal den wasserfesten Filzstift am Sofa ausprobieren.

Das erste Mal sich prügeln.

Das erste Mal ein Mädchen umarmen und sich wundern, wenn sie dabei losheult.

Das erste Mal „Düdado“ hören, live im Postauto.

Das erste Mal „je t’aime“ sagen.

Das erste Mal auf dem Kindersitzli mit Muttis Velo mitfahren, mit echtem Fahrtwind um die Ohren.

…..und das schönste daran ist: ES HÖRT NIE AUF! 100′000 Millionen mal ein erstes Mal. Und es erhält Mamas Kindskopf jung, auch wenn das Haupthaar gleichzeitig grau wird. (Sie wissen schon, Ärger, Sorgen, Bodenwischen etc.)

Needyness

15. März 2010

Es ist schon ungerecht, das Leben. Für uns Frauen, meine ich. Da reissen wir uns kollektiv die Ärsche auf, sind klug wie nur Irgendwer, studieren an der Uni, lernen zig Fremdsprachen, besetzen Superjobs, verdienen ein Schweinegeld, vielleicht, machen dann Superkinder (werentwegen wir kein Schweinegeld mehr verdienen, sondern nur noch Teilzeit-Brosamen), und schmeissen mit übermenschlichem Kraftaufwand Job- und Familienkiste gleichzeitig und so ganz nebenbei bleiben wir auch noch knusprig und frisch für die Ehedinge. Ist ja bekannt.

Was ist nun das Ungerechte daran? Werden Sie sich fragen. Das wollten die ja selber so haben, die Frauen, nicht wahr? Nun, ob wir das genauso haben wollten, ist ein anderes Thema. Ich zum Beispiel wollte das genauso nicht haben, weswegen auch der aufreibendste Teil der Arbeit, nämlich die Ehedinge, Federn lassen mussten, sprich: Trennung. (Jaja, Ehedinge gehen durchaus als aufreibender Kraftakt durch, wenn die Ehe eine Unmögliche ist. Nur falls Sie das nicht gewusst haben sollten.)

Aber nein, hier will ich auf etwas anderes hinaus, nämlich: Gegenpol. Ein Gegenpol ist ja bekanntlich immer da, und je stärker der eine -, umso gewichtiger der Gegenpol. Was in natura in unserem Fall bedeutet: Starke Frau, bedürftige Frau. Ich meine, während wir sprinten wie die reinsten IRON WOMEN mit dem Job-Kinder-Haushalt-Finanzen-und-alles frägt uns ja keiner, ob wir bedürftig seien und eine Massage bräuchten oder darf es vielleicht eine Maniküre sein? Wir selber ja grad zuletzt. Naturgemäss kommen die Kinder eine ganze Weile IMMER zuerst, und naturgemäss fragen DIE uns das nicht. Das ist absolut okay so.

Aber wenn wir ein männliches Exemplar der Gattung „ICH bin hier die arme Sau!“ an unserer Seite haben (nichts für Ungut, aber entsprechend meinen Beobachtungen eine ziemlich verbreitete Gattung, ja, ich weiss schon, Gegenpolsuche im Gegenüber, fragen Sie mal einen Buddhisten), ja dann gute Nacht.

Aber nein, worauf ich hinaus will, ist: bedürftige Frauen tun unglaubliche Dinge, da reibst du dir die Augen. Denn man denkt ja, die seien so stark wie ein Kampfbulle, pardon Kampfkuh.

Meine Freundin S. zum Beispiel ist gerade dabei, die Urheber ihrer sämtlichen verpassten Küsse (seit Pubertät!) auf facebook ausfindig zu machen, um dann dreist nach ihrem guten Recht zu verlangen.

M. begibt mit Vorliebe alleine in laute Bars, um die Atemluft derjenigen Männer in ihren Ohren zu spüren, die sie mit Irgendwas (egal was! egal wer!) volllabern.

P. hängt sich sämtliche Zeitungsfotos vom Obama über das Bett, wegen seiner Lippen. (P. ist 39, zwei Kinder, Chefetage)

C. geht wann immer möglich an wilde Konzerte und nimmt jedesmal ein Bandmitglied mit nach Hause. Meist das falsche.

Y. muss jedesmal, wenn ihr Gesprächsgegenüber über einen tiefen Bariton verfügt, all ihre Willenskraft zusammennehmen, um nicht auf die Knie zu fallen und seine Schuhe zu küssen.

F. geht an Schunkel-Anlässe, um rechts und links an starke Schultern schunkeln zu können.

R. macht einen Salsakurs, um das herrliche Gefühl zu erleben (Zitat!), von einem Mann die Richtung gezeigt zu bekommen.

B. mit der Kampflesbenfrisur und der feministischen Ader wünscht sich beim jährlichen Hamambesuch explizit, von Männern (zwei!!) massiert zu werden, wo sie doch vorher immer vehement auf Frauen bestand.

S., die Journalistin, isst seit einer ganzen Weile nur noch Gemüse mit maskulinem Genus (Lauch, Kabis, Sellerie, Fenchel).

…und ich? Nun, ich bin am Texten für eine, äh, Sie wissen schon:

“Gescheitertes Business-Mami und Ex-Emanze sucht
Beschützer/Ernährer. Gehorsam, bei Bedarf schweigsam.
Willig. Lernfähig in Haushaltsdingen.
Spätere Liebe nicht ausgeschlossen.
CHIFFRE NEEDY321″

Gastblog von monalisa: Einmal Würstli zum Sofortessen

2. März 2010

Es ist Donnerstag, Tag der doppelten Cumulus-Punkte, also los geht‘s, mit Kind im Veloanhänger ab ins Einkaufsvergnügen. Einen grossen Enkaufswagen für Mama, eienn kleinen für die Dame. Mit dem Wägeli wird zu den Orangen stolziert. Nein, Orangen brauchen wir nicht aber Bananen und Äpfel und Kiwis. Die Bananen landen im grossen Wagen, nein ich will Banananen haben. O.k so werden die Bananen gezügelt, der Einkauf fortgesetzt, ich wiege Blumenkohl, Äpfel ab, gucke mich um , Kind weg. Dank dem Fähnli erblicke ich sie bei den Brötli. Ich spurte zu ihr hin, ja du darfst eines nehmen, ja ein Säckli auch noch.

Weiter geht’s, Kind isst, lässt das Wägeli stehen, bleibt bei einer älteren Frau, welche mit ihr redet. Kind komm, nimm das Wägeli mit, was brauchen wir noch? Pizzateig, Müesli, nein nicht dieses, das ohne Zucker. Ja, Farmer haben wir noch. Dann schnell durch bei den Schleckwaren – zu spät. Wotti Täfeli ha füre Hueschte, welcher Husten denn? Nein Täfeli haben wir noch aber du darfst eine Schoggi aussuchen, nein die hat Nüsse drin, nehmen wir die andere. Nein nur eine, ja so ist gut. Jetzt noch Feigen und Milch, i wott Milch säuber! O.k du kannst einen Liter haben, was brauchen wir noch. Eier, Eier i mis Wägeli. Bald sind alle Lebensmittel im kleinen Wagen und ich schiebe den grossen, leeren Wagen vor mich hin.

Weiter zu den Teigwaren, Pelati,Hafersuppe- i wott Suppe i minem Wägeli ha, o.k Suppe zügeln, Katzenfutter, nein nicht das teure Nassfutter, das andere reicht. Poulet, Schinken für die Pizza, was brauchen wir noch? Würstli! Damit meint sie ihre Knobliwürstli, wegen welchen sie dann noch während  zwei Tagen furchtbar riecht – Bäppu het ou gärn, o.k. Während ich mich noch umschaue, stolziert Fräulein zur Fleischtheke und bestellt ein Würstli zum sofort essen und sie bekommt natürlich auch eines. Hast du Danke gesagt? Kind nickt, Mama sagt auch noch vielen Dank aber wir bauchen sonst nichts von hier, merci einen schönen Tag noch.

Kind wieder verschwunden, taucht bei den Lufterfrischern wieder auf, Mama muess smöcke, smöckt fein. Mama riecht an Waldbeeren, Pfirsich und Tanne, ja schmöckt fein aber wir brauchen keins. Wir brauchen noch Tiefkühl Erbsli, Shampoo und Zahnpasta. Schwupps ist Madame beim Glaceschrank und sagt bruche mir no Caramelglace, nein wir haben noch daheim aber Ragete, nein wir brauchen auch keine Rakete, es ist kalt draussen. Als ich das nächste Mal in den kleinen Wagen schaue sehe ich Batterien, also Batterien raus, versorgen, da steht Kind schon bei der Bodylotion. Bruche Creme füre Bäppu, nein wir haben noch daheim, oh, Aktion, also wir nehmen sie doch.

Bald geschafft, noch Klebstreifen, Feuchttücher. Bruchi Chläberli, nein, wir kaufen jetzt keine Chläberli, wir müssen zur Kasse und dann heim Mittagessen kochen. Go zahle rufts neben mir laut, super jetzt geht’s ruck zuck, falsch gedacht. Kurz vor der Kasse gibt’s einen Bäbihalt. Lueg Mama s Bäbi sloft, het d Ouge zue, ja das ist ein schönes Bäbi, ein bisschen kitschig vielleicht, einisch häbe. O.k Bäbi darf einmal aus der Nähe betrachtet werden, muess choufe Mama, nein Kind du hast ja Bäbelis daheim, und locke mit „wollen wir schauen gehen ob deine Bäbis daheim schon wach sind?“ Nei das wotti das is sön, ja Du kannst dir dann eines auf den Geburi wünschen, Bäbi steht wieder im Regal, wir sagen tschüss Bäbis bis zum nächsten Mal. Plötzlich stapft die Kleine rassig zur Kasse, achtung nicht der Frau da vorne in die Füsse fahren.

Endlich geschafft, von der Kassiererin gibt’s dann noch das obligate Täfeli, eigentlich nicht so toll kurz vor dem Mittagessen, aber dann ist Fräulein einen Moment mit Täfeli auspacken und lutschen beschäftigt. Noch bezahlen, dann ist’s geschafft. Wir fahren in den ersten Stock, ruft die Kleine es Sirüpli go trinke! Tja, eigentlich hat sie recht aber jetzt müssen wir schleunigst heimradeln, auspacken und Mittagessen kochen.

Am Mittagstisch erzählen wir von unserem anstrengend Morgen. Dieser: So, sit dr chli go poschte und dänk no go Käfele, heit dirs aber schön!

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Frühstücks(g)rollen

18. Februar 2010

Samstag Morgen, er muss zur Arbeit. Das Kind ist seit sechs Uhr auf, mit ihm die Mama. Er steht kurze Zeit später auf und duscht. Der Besucher, ein Freund aus Paris, schläft noch im Wohnzimmer auf der Couch.

Die Mutter, noch im Pyjama, bereitet das Frühstück zu. Es fehlen: Brot, Milch, Käse.

Sie zu ihm: Es fehlen Brot, Milch, Käse.

Ungesagt bleibt: Fährst du rasch zur Tankstelle und kaufst ein?

Er: aha. (Er ist dabei, sich anzuziehen. Merke: wenn Männer dabei sind, sich anzuziehen, können sie nicht gleichzeitig ihrer Frau zuhören. Besser wäre, die Frau wartet, bis der Mann mit seiner Tätigkeit fertig ist, stellt sich ihm dann, bevor er zur nächsten Tätigkeit wie z.B. Hemd zuknöpfen, Schuhe binden etc. übergehet, gegenüber, wobei der Abstand nicht mehr als einen Meter betragen sollte, fixiert ihn mit ihrem Blick, und spricht dann, laut, aber nicht zu laut, klar und deutlich, aber nicht zu klar und deutlich, vergewissert sich, ob er alles verstanden hat und wartet auf seine Antwort.)

Die Frau begibt sich wieder in die Küche, kocht Kaffee, deckt den Tisch, und presst, um nicht tatenlos herumzustehen, zahlreiche Orangen aus. Das Kind schmeisst daneben fröhlich mit Töpfen und Deckeln um sich.

Während dessen wartet sie. Auf ihren Mann, dass er schwungvoll um die Ecke käme, sich den Autoschlüssel schnappe, ihr eine Kusshand zuwerfe und fünf Minuten später mit Brot, Milch und Käse zurück sei. Darauf hat sie den Kaffee getimt, die Spiegeleier, den Appetit des Kindes, das Aufwecken des Gastes.

Der Mann steht derweilen vor dem Spiegel und freut sich auf sein Spiegelei. Er hat nicht gehört, dass die Frau ihm mitteilte, dass Brot und Milch fehlen. Er hat auch nicht gehört, dass sie nicht gesagt hat, dass sie aber von ihm erwartet, dass er rasch zur Tankstelle fährt und einkauft. Er hat auch nicht gehört, dass sie ihm nicht gesagt hat, dass er bereits gestern Milch und Brot hätte kaufen sollen, da er derjenige sei, der am Vortag für Kind und Frühstück zuständig war, weil sie arbeiten ging, und dass er somit hätte bemerken müssen, dass Milch und Brot ausgehen würden.

Und während die Frau also im Pyjama dasteht in der Küche und, immer ungeduldiger werdend, Orangen auspresst, und die Zeit knapp und knapper werden spürt, während ihr Kind langsam hungrig wird, und der Gast den Kopf hereinsteckt und auf den Frühstückstisch lugt, auf dem Brot und Milch und Käse fehlen, steht der Mann noch immer vor dem Spiegel. Schliesslich arbeitet er in der Modebranche.

Gerade überlegt der Mann, ob er vielleicht doch das bordeauxrote Hemd anziehen soll, als ihm seine Frau, ihren Zorn nur mühevoll verbergend, an den Karren fährt. Erst jetzt realisiert der Mann, dass Brot und Milch fehlen, und dass sich ohne Milch und Brot nur schwer frühstücken lässt, und dass seine Frau von ihm erwartet, dass er schnell zur Tankstelle fährt.

Er zu ihr: Oh, es hat keine Milch und kein Brot? Dann kaufen mein Gast und ich unterwegs ein Croissant und essen im Auto.

Ungesagt bleibt: Meine Frau ist eine Enttäuschung. Nicht mal ein ordentliches Frühstück kann sie zubereiten. Nicht mal eingekauft hat sie. Wo sie doch eine Frau ist. Mein Gast hat eine viel bessere Frau, die kocht ihm sogar vor, wenn sie mal weg ist, gefriert es dann ein und schreibt „Montag Mittag, Schweinevoressen, 10 Minuten Mikrowelle“ oder „Dienstag Mittag, Lammragout, 10 Minuten Mikrowelle, Geschwellte dazu sind im Kühlschrank“ darauf. Mein Gast wird mich für unmännlich halten, bei solch einer Frau, die nicht mal ein ordentliches Frühstück zubereiten kann. So eine Schande, und überhaupt, wo ist mein Spiegelei!

Sie zu ihm und zum Gast, dem Freund aus Paris: Dann geht doch, und überhaupt, könnt ihr mir in die Schuhe blasen!

Ungesagt bleibt: Schluchz, die beiden ziehen ein Croissant im Auto einem gemeinsamen Frühstück mit mir und dem Kind vor. Bastarde. Männer. Faule Säcke. Ignoranten. Haut doch ab und lasst euch hier nie mehr blicken. Schluchz, und was mache ich jetzt mit dem ganzen Orangensaft? Und mein vornehmer Herr Gast aus Paris, erzähl doch deiner Schlampe von Frau, dass ich neben der Kindererziehung und dem Haushalt zwei Betriebe schmeisse, dass mir die Arbeit aus den Ohren wächst, und dass ich rein organisch keine perfekte Hausfrau sein kann wie deine Schlampe von Frau, die dir jeden Brotkrümel vom gebügelten Jackett pickt, du feiner Pinggel.

Nun, die Geschichte vom Mann und der Frau ist noch nicht fertig, und trotzdem macht es aus nachvollziehbaren Gründen Sinn, mit der Schilderung der Ereignisse hier Schluss zu machen.

Bitte kreuzen Sie zur Vergegenwärtigung der Schlussfolgerungen an (mehrere Möglichkeiten sind erlaubt):

a) Es hat keinen Sinn mit Mann und Frau.

b) Es würde schon gehen, würden Mann und Frau nur kommunizieren lernen.

c) Es wäre alles sehr viel einfacher, wären die Rollen klar verteilt: Er: Job. Sie: Kind und Haushalt. Oder umgekehrt.

d) Männer sind weniger intelligent als Frauen.

e) Männer sind aufgrund ihrer geschlechtlich bedingten Einseitigkeit für die anspruchsvolle Aufgabe der Hausfrau nicht geeignet.

f) Von Gästen aus Paris wird abgeraten.

g) Der Mann hat recht.

h) Die Frau hat recht.

i) Mir doch egal, du bescheuerte Zicke.

Virtueller Verbalverkehr

12. September 2009

Was tut frau, wenn sie heiss ist? Ich meine chronisch heiss, heissblütig, Heissduscher, Heissporn, heissheiss, antilauwarm, Kaltwasserköpflerin? Und ihr Mit (oder Gegen-?) spieler ist cool, fad, wischiwaschi, Warmduscher, Flachwixer, Innen-taschenbügler, Schuhbändelarrangeur, Dünnküsser, Zungensparer, Lendenbewegungskalkulierer, Spermienabzähler, Sockenbügler, Biozykluskenner?

Ich meine, dann haben Sie doch ein waschechtes Problem, oder?

Was tun Sie? Objekt der Begierde begehrt nicht zurück? Oder schon, aber halt sehr sparsam? Und nur dann, wenn

a) Objekt nicht zu früh raus muss am nächsten Morgen

b) Objekt nicht müde ist

c) oder hungrig

d) oder schmutzig

e) oder schlecht gelaunt

f) oder gestresst

g) oder den Kopf voller Pläne hat

h) der Fernseher kaputt ist und generell Stromausfall herrscht

Ja, was tut frau dann?

Ausbüxen? –verführerisch, aber unmoralisch, sagt man. Und gefährlich, weiss man.

Selbst Hand anlegen? – kurzfristig und einsam, nur als Notlösung tauglich

Objekt verführen? – führt bei schwierigen Konditionen (s. oben) mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Rückweisung, was in der Rangliste der schlimmstmöglichen weiblichen Frustrationen auf Platz (raten Sie mal) 1 steht, und was somit nicht öfter als 2-3 Mal, auf ein Frauenleben verteilt, verkraftbar ist.

Samenbank? – zu amerikanisch, zu sauber und irgendwie unsexy. Abgesehen davon: Orgasmusfaktor = 0

Sich mit Freundinnen in Lästerorgien begeben? – hoher Spassfaktor, kurze Befriedigungsdauer, und irgendwie findet die Befriedigung nicht da statt, wo sie eigentlich hätte stattfinden wollen, schon rein anatomisch gesehen.

Whisky trinken? – hilft. bedingt. sehr bedingt. Siehe oben.

Was also tun?

Eine neue Kunst des Fremdgehens greife um sich. So versicherte mir neulich meine Freundin M. (Sie wissen schon: diejenige mit dem Warmduscher.) Fremdgehen mit Fremden, jedoch sauber, hygienisch, keim- und spermienfrei, ohne Gefühlschaos und Herzbeteiligung, aber garantiert MIT ORGASMUS.

Also das nenne sich Virtueller Verbalverkehr und gehe so: Man setzte sich an den Computer, lege eine Hand (bei den meisten ist es die rechte) auf die Tastatur, was ein bisschen Übung bedürfe, aber das mit dem Fünffingersystem habe man schnell drauf, und auf die korrekte Rechtschreibung komme es nicht im Geringsten an, im Gegenteil. Die linke Hand lege man an seine primären Geschlechtsteile, je nach Bedürfnis abwechslungsweise auch an die sekundären. Auch das bedürfe ein bisschen Übung, jedoch sei die Wirkung einer linken Hand generell und an den primären Geschlechtsteilen im Besonderen nicht zu unterschätzen.

Seien beide Hände in Position, suche man sich in den Partnersuchforen (so nennt sich das! ehrlich!) einen Chat-Partner, den man nach einer sehr kurzen Einleitung darauf hinweise, dass einem seine linke Hand woanders sei als auf der Tastatur, und dass man nach Möglichkeit schnell zur Sache kommen möchte. Steigt der Chat-Partner darauf ein, können Sie wählen zwischen den Varianten a) gucken, welches Menu er vorschlägt, b) selber Menu kreieren, c) sich gegenseitig inspirieren. Man achte darauf, ob es sogleich „flutsche“ (entschuldigen Sie, meine Freundin M. hat eine etwas direkte sprachliche Ausdrucksweise) zwischen Ihnen und Ihrem Chat-Partner. Wenn es das nach 2 Minuten nicht tue, wechsle man besser den Partner. Das gehe ganz leicht, indem man diesen wegklicke - wenn man nett sein wolle, aber das müsse man gar nicht, könne man noch ein „tschau“ hinschreiben - und mit einem Neuen dieselbe Prozedur durchgehe. Ob es flutsche, das merke man sofort, sagt meine Freundin M. Nämlich mit der linken Hand.

Mit der rechten konzentriere man sich darauf, seine Gedanken, Wünsche und Phantasien klar und pointiert zu positionieren, wobei, wie schon erwähnt, Rechtschreibung und Grammatik KEINE Rolle spielten, was mit zunehmender Durchblutung des Unterleibs und damit proportional einhergehender Minderversorgung des Grosshirns (ein bekanntes Phänomen, das bisher ausschliesslich bei Männern vermutet wurde) sich ja von selbst erkläre.

Wichtiger Hinweis meiner Freundin M.: Man achte darauf, die linke und die rechte Hand während des Verbalverkehrs nicht zu verwechseln, da ansonsten die Hygienebedingungen für die Computertastatur leiden würden. Auch könnte eine klebrige Tastatur ihrem Partner unter Umständen unangenehm auffallen.

Ach ja, es sei von grossem Vorteil, in seinem eigenen Chat-Profil klar und deutlich „Abenteuer-Lust“, „Unabhängigkeit“ und „Offenheit für wilden Sex“ zu markieren. Hauptsache verpflichtungsfrei. Das zöge die Männer an wie ein Hühnerstall den Fuchs. Sie müssten ja nicht erwähnen, dass sie den Verkehr aufs Verbale beschränken wollen. Das sei auch gar nicht gemein oder unehrlich, schliesslich gelte die Orgasmusgarantie für beide Seiten, ausser, der Chat-Partner befinde sich gerade in einem Grossraumbüro, dann werde es etwas schwieriger.

Was meinen Sie zum neuen Trend?

Mailen sie ihre Erfahrungen an verbalverkehr@kompetentesextante.ch, oder besser: schreiben Sie einen Kommentar.

Gelassenheit

15. Juni 2009

Frau bemerkt es spätestens dann, wenn sie schwanger ist: Geduld haben, es dauert 9 Monate! Schnelles Denken oder Handeln beschleunigt diese Zeit um keine Minute. Sie müssen gelassen werden! Ansonsten wird das nichts mit der freud- und friedvollen, harmonischen und glücklichen Mutterschaft.

Gelassen, geduldig, lächelnd, liebend. Üben Sie! Schnell!

Spätestens wenn Ihr süssestes Kindlein Sie nachts alle eineinhalb Stunden weckt, werden Sie es gebrauchen: Seien Sie gelassen!

Gottseidank gibt es die Ratgeber-Literatur. Fangen sie früh damit an, am besten im Kindesalter. Sollten Sie dieses schon hinter sich haben, keine Sorge, studieren Sie einfach täglich meine gesammelten Affirmationen, ein Schnelldurchlauf durch alle Ratgeber-Werke des letzten Jahrtausends (plus einige Kostproben meiner eigenen erfahrungsschwangeren Weisheit):

1) ES IST ALLES NUR EINE PHASE! (Katharina Mahrenholz: Schwangerschaft und Geburt)

Austreibungswehen, Presswehen, Schreianfälle, Schlafstörungen, Zahnungsbeschwerden, Durchfall, Milchspeien, Brustverweigerung, sexuelle Enthaltsamkeit, tödliche Erschöpfung, hormonell bedingte Ex- und Implosionen, Trotzanfälle, Lernverweigerung, Pubertät, Ehekrise, Nervenzusammenbruch: alles nur eine Phase. Denken Sie daran, wie es ist, wenn das prämenstruelle Syndrom sich wie eine grosse schwarze Wolke vor Ihnen auftürmt: es wird vorbeigehen, sobald die Menses erscheint. Alles geht vorbei. Und dann kommt die nächste Phase.

 2) SITTING SILENTLY, DOING NOTHING. SPRING COMES AND THE GRASS GROWS BY ITSSELF (aus dem        Buddhismus)

Schön, nicht wahr? Auch wenn nichts ist mit sitting-silently-doing-nothing: tun Sie es trotzdem, und wenn es nur 5 Atemzüge lang ist. Und an das Gras, das nicht schneller wächst, wenn sie daran ziehen, werden Sie sich von der Zeugung ihres Kindes an lebenslänglich erinnert werden. Gut so.

3) ICH GEHE EINE STÄRKERE VERPFLICHTUNG MIR SELBER GEGENÜBER EIN (Bärbel Mohr: Bestellungen         beim Universum)
    Oder: ES FÜHRT KEIN WEG AN DIR SELBST VORBEI (Quelle: privat)

Diese Leitsätze bewahren uns vor der grössten bei uns grassierenden Mutterschaftskrankheit: der Selbstlosigkeit. Merken Sie sich eines sofort und schreiben Sie es sich übers Bett, oder auf den Kühlschrank: von einer selbstlosen Mutter hat ihr Kind nichts! Auch wenn es ganz schön bequem ist, Dinge aus der Sicht anderer zu entscheiden („ich tu es für mein Kind/meinen Mann/meine Mutter..“), am Schluss geht es NIEMALS auf, wenn Sie nicht sich selber gegenüber ehrlich sind. Früher oder später werden sie entweder zu nörgeln beginnen (Warnstufe 1), oder Sie werden wütend auf die, welche Sie für Ihre Entscheidung dummerweise verantwortlich machen (Stufe 2), oder Sie entwickeln eine Abneigung  gegen diejenigen (Stufe 3), oder Sie richten die Aggression gegen sich selbst (Stufe 4), oder Schlimmeres (Stufen 5-10).
Anmerkung der Redaktion: Sind das nicht die gleichen Stufen wie bei sexueller Unbefriedigtheit?

Die Krankheit der Selbstlosigkeit ist so verbreitet, weil die Falle so gross ist. Die Chance, reinzutappen, ist grösser, als die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an der Falle vorbeigehen.

 Skizze:

 

!Warnung: Seien Sie nicht streng mit sich, das Erlernen dieser Übung erfordert Jahre!

 

Statistik: Lernen des Falle-Umgehens im Vergleich zum Älterwerden des Kindes (nur bei täglichem Üben) Quelle: privat

4) DU SOLLST DEINEN MANN NICHT AUS DEM HAUS JAGEN. (Quelle: privat)

Auch wenn er Sie zum dreihundertvierundzwanzigsten Mal frägt, wo die Kurzarmbodys sind. Auch wenn er empört ablehnt, mit dem kleinen Prinzen einkaufen zu gehen. („Niemals! Was, wenn er zu schreien beginnt??!!“) (…………..) Auch wenn er nachts so tut, als höre er gaaar nichts, wenn der Prinz die Bude zusammenschreit. Auch wenn er nach einem Jahr Vaterschaft noch immer der Überzeugung ist, sein Job sei strenger als der Ihre. Auch wenn er ein leidendes Gesicht macht, wenn Sie mal ein paar freie Stunden einfordern. ETC.

Lieben Sie ihn trotzdem, und üben Sie täglich die Punkte 1,2,3,5,6 und 7.

5) BEIM EINATMEN BERUHIGE ICH MEINEN KÖRPER, BEIM AUSATMEN LÄCHLE ICH. ICH LEBE IM GEGENWÄRTIGEN MOMENT, UND ICH WEISS, ES IST EIN WUNDERBARER MOMENT. (Thich Nhat Hanh: Ich pflanze ein Lächeln)

.. ohne Kommentar. Lesen Sie und geniessen Sie.

6) LIEBE DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST! (Bibel)
    ODER: LET IT FLOW, LET IT GROW (Hippiesong)

Ihr Herz wird wachsen während der Schwangerschaft, und hat kurz vor der Geburt Ihres Kindes ca. Gewicht und Grösse des Fötus. Was rausfliesst aus dem Herz, ist pure Liebe. Verstreuen Sie diese verschwenderisch an alle und sich selber. Behalten Sie keine Reserve, es wird ständig nachgeliefert. Lieben Sie den Postboten (nur mit Ihrer Herzenergie, natürlich) die Kiosk-Verkäuferin, den Zugschaffner, ihre Schwiegermutter, die Tagesschau-Sprecherin. Lieben sie alle Menschen, die in der Schlage vor Ihnen stehen. Lieben Sie Ihren Garagisten. Lieben Sie den Regen, ihr Fahrrad und die Strassenarbeiter samt Presslufthammer vor ihrem Haus. Lieben Sie ihr Kind, sich selbst, ihre Schwiegermutter und – ach ja!- ihren Mann.

Wachstum von Fötus (blau) und Herz (rot) ab dem Zeitpunkt der Zeugung. Quelle: privat

7) HÖRE AUF DEIN HERZ UND BENUTZE DEINEN GESUNDEN MENSCHENVERSTAND. (Quelle: privat)

Sie werden es ab dem ersten Tag der Bekanntgabe Ihrer Schwangerschaft merken: alle werden Ihnen Ratschläge geben. Die Nachbarin, die Mutter, die Freundinnen, die Putzfrau, natürlich die versammelte Ärztegemeinschaft und die Ratgeber-Literatur: hören Sie auf niemanden als auf sich selbst. Nehmen Sie ein paar Ratschläge als Inspiration auf, wenn Sie möchten, und lassen Sie das meiste, besonders die ganzen wissenschaftlich bewiesenen, sich alle 5 Jahre selbst widersprechenden, medizinischen und parapädagogischen Studien an Ihnen abperlen wie die Ente den Regen. Tun Sie, was Sie für richtig halten (siehe Punkt 3), dann passt es auch. Informieren Sie sich bei denjenigen Quellen, die Ihnen sympathisch sind, und verwerfen Sie die anderen 99′996.

Wissen Sie was? Vergessen Sie diesen Text, schreiben Sie ihren eigenen und veröffentlichen Sie ihn. Ich könnte noch ein paar Tipps gebrauchen. 

Erfolgreich erfolglos

11. Juni 2009

Seit ich geboren bin, zelebriere ich die Kunst des Scheiterns. Wassermann-Aszendent, sie wissen schon. Scheitern ist lustig, scheitern ist cool, scheitern ist sexy, scheitern macht Spass, scheitern macht kreativ, scheitern bringt den Humor zutage, scheitern macht glücklich, scheitern fördert das Mitgefühl, scheitern tut gut. Ja, wenn ich einen Slogen für das Scheitern kreiren müsste, würde er lauten:

NUR SCHEITERN BRINGT EINEN WIRKLICH WEITERN

Misserfolge kann man zelebrieren oder ignorieren, ich neige zum Ersteren. Weil, alles, was man ignoriert, hat man im Grunde nur nicht verstehen können. Ich kann es Ihnen von Herzen empfehlen: Scheitern Sie und geniessen Sie es. Kosten Sie den Misserfolg aus. Erzählen Sie es weiter, lachen Sie ergiebig darüber und suchen sich dann eine neue Scheitermethode. Ich kenne viele davon, eigentlich fast alle. Scheitern will geübt sein, Erfolg haben können alle.

Und das beste daran: es kann nicht misslingen! Scheitern gelingt immer! Das Wort “Enttäuschung” gibt es nicht im Scheiterwortschatz. Scheitern ist einfach! Scheitern ist ganz einfach eine Frage der richtigen Einstellung. Self-fulfilling prophecy.

Ähm.

Mike?!?!?

Fernreisen

3. Juni 2009

Schon immer bin ich eine Befürworterin von temporären Trennungen von Paaren gewesen. Vielleicht deshalb meine Vorliebe für Immigranten? Trennungen kann man nämlich hervorragend nutzen für Feldforschungen auf verschiedensten Gebieten, so zum Beispiel: Wer bin ich? Wie bin ich? Wirklich? Was mag ich? Was mag ich nicht? Was ist mir wichtig? Was nicht? Etc.

In temporäre Trennungen springe ich hinein wie in kaltes Wasser: mit einem freudig erregten Jauchzer. Temporäre Trennungen sind die Oasen des Paar-Alltags, Futterstellen in der Wüste, Bojen im Schwimmwettbewerb, sie wirken entschlackend, entgiftend, entfiebernd, entwirrend.

Die ersten Tage, zugegeben, übertreibe ich zuweilen ein wenig. Genüsslich verwahrlose ich vor mich hin, wie ein Junggeselle, der gerade in die erste eigene Bude gezogen ist. Bis die ungewaschenen Socken zu stinken anfangen und das gebrauchte Geschirr weisslich modernde Pilze wachsen lässt. Das ist normal und nennt sich in der Psychoneuropsychologie „auspendelnde Pendelbewegung zum Einpendeln“.

Danach beginnt die wahre Forschungsreise ins Innere. Die Ergebnisse waren diesmal folgende:

a) Diagonal im Bett schlafen macht Spass. Zumindest ein-, zwei Nächte.

b) Man kann gut ohne Staubsauger leben. Passiert nichts.

c) Einmal die Woche aufräumen reicht vollkommen aus.

d) Körperpflege lässt sich auf folgendes Minimum reduzieren: einmal die Woche duschen, jeden 2. Tag die neuralgischen Stellen mit einem Waschtuch leicht betupfen und ggf. deodorieren. Zähneputzen einmal täglich, morgens Augenwinkel auswaschen. Fertig.

e) Weiterführende Körperpflege (Lotions, Make-up etc.) ist zeitraubend und unnötig.

f) Eine Unterhose lässt sich problemlos 3-5 Tage tragen. Das reduziert den Wäscheberg deutlich.

f2) Bein- und sonstige Rasuren sind absolut nicht notwendig.

g) Fernsehen ist gar nicht so blöd.

h) Sex ist gar nicht so wichtig.

i) Kochen ist nicht schlimm.

j) Ich bin launisch.

k) Ich bin eigentlich ganz nett.

l) Ich esse gerne Gemüse und Salat.

m) Ich kann Spinnen alleine raustragen.

Es ist faszinierend. Wie beim Seilziehen: man zieht, jahrelang und immer verkrampfter, bis der andere plötzlich loslässt (oder eben wegfährt), und da sitzt man dann in seinem  Schweiss und weiss gar nicht mehr, warum man so verbissen an dem Seil gezogen hat. Man wird milde und stellt fest:

o) Täglich abwaschen macht Sinn. Schon wegen der begrenzten Anzahl an Tellern.

p) Es macht Sinn, den Eimer mit dem Fussbad nach Gebrauch aus der Stube zu entfernen, besonders, wenn man ein Kleinkind hat.

q) Es macht Sinn, morgens, mittags und abends die Hauptmahlzeiten einzunehmen.

r) Es macht Sinn, die Betten auszulüften.

s) Es macht Sinn, vergammelte Lebensmittelreste im Kühlschrank regelmässig zu entsorgen.

t) Es macht Sinn, Töpfe, Geschirr und anderes Spielzeug im Bereich von Eingangstüren vom Boden zu entfernen.

u) Rauchen ist wirklich blöd. Und stinkt.

v) Es macht durchaus Sinn, als Paar zusammenzuleben.

w) Ein Leben ohne Wettschwimmen, Seilziehen und Sex zu zweit ist furchtbar langweilig.

Das zweite Mal

29. Mai 2009

Neulich, in illustrer Mütter-Runde: Die vor wenigen Wochen vom zweiten Kind Entbundene betritt den Raum. Einhelliges Raunen geht durch die Menge. Anerkennende Blicke, Wangenküsse, Gratulationen, Geschenke, Begutachtung des Kleinstmenschleins, angemessene Bewunderung, angestrengt versteckte Erleichterung über den eigenen Zustand des Einfach-Muttertums.

Dann bricht übereinstimmendes Staunen aus über den Zustand der frisch Entbundenen: In Anbetracht des Umstandes, dass dies bewundernswerte Weibsbild, diese zierliche starke junge Frau vor wenigen Wochen zum zweiten Male die unfassbare Marter einer Entbindung durchlitten hat, in Anbetracht des Umstandes, dass dieses weiblich zarte Wesen seit Kurzem neben einem knapp zweijährigen Wildbolz-Rabauken, der sich in der ich-lasse-keinen-Stein-auf-dem-anderen-sicher-nicht-nein-nein-nein-Phase befindet, ein Bébé am Püppi hängen hat, in Anbetracht dieses Umstandes schaut diese Frau bemerkenswert frisch aus. Frisch, ruhig, locker, leichtfüssig, lebenslustig, gesprächig, hungrig, knusprig, lächelnd, munter, galant, eloquent.

Uns bleibt der Kiefer unten, ungläubig blicken wir uns an. Ist das fair? fragen wir uns, anständigerweise nicht laut. Was läuft hier falsch? Hat die Frau womöglich Schwarzgeld geerbt und heimlich eine Amme und Putzfrau angestellt? Gibt sie die Kleine nachts ins Heim? Nimmt sie Drogen? Doping? Spielt sich hier ein Drama ab, und niemand ahnt etwas davon? Sollten wir die Behörden informieren?

Wenige Augenblicke später wird uns alles klar. Dann nämlich, als der Gatte der zum zweiten Male erfolgreich Begatteten eintritt, langsamen, schweren Schrittes, die Gesichtsfarbe in fahlem grau, die Augenringe verzweigen sich mit den eingefallenen Nasenflügeln, der schmale Körper abgemagert, die Haltung gebückt. Ist es möglich, dass sich das Haupthaar eines Mannes innert weniger Wochen um die Hälfte reduziert?

Mit einem tiefen Seufzer lässt er sich auf einen Stuhl fallen, verlangt leise nach einem doppelten Espresso. Die Gratulationen und Glückwunsch–Bekundungen lässt er mit einem gequälten Lächeln über sich ergehen. Seine Mundwinkel drängen nach unten, der Schwerkraft entgegen. Wie alles an ihm. Dochdoch, es gehe ihm gut, die Doppelrolle sei halt nicht einfach, aber er sei sehr stolz auf seine zwei Kinder und seine hübsche Frau.

Diese drückt ihm lachend die Kleine an die Brust, und wir gehen raus an die Sonne.

Hat wer gesagt, Empanzipation sei etwas Schlechtes?

Abb.: Bedenken Sie beim Betrachten des Fotos, dass sich ZWEI Kinder im Hänger befinden. Der Gatte wollte aus verständlichen Gründen nicht mit aufs Bild.

IT’S A MAN’S WORLD, BABY!

25. Mai 2009


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